Wandern auf dem Pfad der Stille im Jagsttal von Buchenbach nach Unterregenbach

Wenn der Wetterbericht in diesem verrückten Mai schon mal mit Temperaturen über 25 Grad und Sonne satt lockt, muss das natürlich sofort ausgenutzt werden!

Wie so oft zieht es uns auf einen Pfad der Stille ins wunderbare mittlere Jagsttal in Hohenlohe. Hier schlängelt sich die Jagst ganz naturbelassen durch ihr Tal – gesäumt von Wäldern, Wiesen, kleinen Dörfern und vielen besonderen Kleinoden mit teilweise großer Geschichte. Nicht selten entdeckt man Orchideen und heimische Wildpflanzen auf den Wiesen, einen Rotmilan am Himmel oder – mit ganz viel Glück – sogar einen Eisvogel am Jagstufer.

Auf dem Pfad der Stille durch das Jagsttal in Hohenlohe wandern

Die Pfade der Stille in Hohenlohe

Dass wir große Fans der Pfade der Stille sind, hast du vielleicht schon bemerkt! Für uns sind die 16 verschieden langen Wandertouren rund um Schöntal, Krautheim, Dörzbach, Mulfingen und Langenburg einfach eine tolle Möglichkeit, das mittlere Jagsttal in Hohenlohe aktiv zu entdecken.

Die Idee hinter den Pfaden der Stille ist es, die Wanderer zu verborgenen Kleinoden, stummen Zeitzeugen der Geschichte und besonderen Kraftorten zu führen, die für die Menschen vor Ort von Bedeutung sind. Das alles eingebettet in die herrliche Natur und Kulturlandschaft des Jagsttals mit ihren würzig duftenden Magerwiesen und Trockenhängen, blühenden Streuobstwiesen und einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren.

Verschiedene Impulse auf dem Weg laden dazu ein, kurz innezuhalten. Mal stößt du auf einen besonderen Ausblick, mal auf ein Naturhighlight oder einen Ort mit besonderer Bedeutung. Oft handelt es sich aber auch „nur“ um einen Impuls, sich selbst oder die Umgebung achtsam und bewusst wahrzunehmen.

Da alle Impulse in den jeweiligen Flyern zur Tour beschrieben sind, solltest du dir diesen unbedingt vorher besorgen (z.B. Im Herrenhaus in Buchenbach) oder ihn als pdf auf der Website der Pfade der Stille herunterladen.

Pfad der Stille Mulfingen

Während uns die Mulfinger Haupttour mit 28 km doch deutlich zu lang ist, passt die Tour 2-4 von Buchenbach nach Unterregenbach und zurück mit knapp 15 km perfekt für diesen Sonntag. Denn ungefähr auf halber Strecke haben wir uns in Unterregenbach heute unser ganz persönliches Highlight reserviert: Einen Picknickkorb im Restaurant rotermohn.

Die Wanderung startet im Mulfinger Teilort Buchenbach und führt über der Jagst, teilweise mit wunderschönen Ausblicken, teilweise durch den Brüchlinger Wald, nach Unterregenbach. Zurück wandert man auf der anderen Hangseite der Jagst wieder zum Ausgangspunkt.

Infos zur Wanderung Buchenbach – Unterregenbach (Tour 2 – 4)

  • Start & Ziel: Buchenbach
  • Länge: 14,5 km
  • Höhenmeter: 420 m
  • Anspruch: einfache Wege, einige Steigungen, nicht barrierefrei
  • Beschilderung: gut, nur in eine Richtung ausgeschildert
  • Parken: Sporthalle Buchenbach
  • Einkehr: Restaurant rotermohn in Unterregenbach, Gasthaus zum Ochsen Buchenbach

Wie immer findest du die Aufzeichnung der Route in unserem Komoot Profil – folge uns dort gerne für noch mehr Wandertipps in Hohenlohe!


Die Jagst in Buchenbach beim Wandern auf dem Pfad der Stille Mulfingen
Die Jagst in Buchenbach

Aussichtsreich über der Jagst

In Buchenbach parken wir an der Sporthalle und starten direkt los. Über die Jagstbrücke geht es durch ein Wohngebiet stetig bergauf bis wir die letzten Häuser (auf deren Ausblick ich schon ein bisschen neidisch bin) hinter uns lassen. Vor uns breitet sich das Jagsttal aus, um uns herum blühende Hangwiesen, überall summt und brummt und zwitschert es. Herrlich!

Blick ins Jagsttal nach Buchenbach
Blick zurück nach Buchenbach

Auf schönen Wiesenpfaden laufen wir oberhalb der Jagst und schon bald ermuntert uns der erste Impuls „schweigend zu hören“.

Je stiller du wirst, umso mehr kannst du hören

Baba Ram Dass.

Mit weiten Blicken ins Jagsttal wandern wir mehr oder weniger schweigend (so ganz schaffe ich es dann doch nicht 😉 …) bis nach Eberbach.

Wiesenweg nach Eberbach auf dem Pfad der Stille im Jagsttal
Wiesenweg nach Eberbach

Eberbach im Jagsttal und der Brüchlinger Wald

Nicht nur in Forchtenberg, dem Geburtsort von Sophie Scholl, sondern auch in Eberbach führen Spuren zur Widerstandsgruppe Weiße Rose. Theodor Haecker, der 1897 hier geboren wurde und von 1905 bis zu seinem Tod 1944 in München lebte, gilt als wichtige theologische Stimme des Widerstands und als Mentor der Geschwister Scholl.

In die Jagst mündet hier übrigens der Rötelbach, dessen idyllisches Tal wir auch schon erkundet haben. Dazu bald mehr auf dem Blog 🙂

Heute wandern wir aus Eberbach heraus allerdings erstmal wieder bergauf und biegen an einer Grillhütte von der Straße nach rechts in den Brüchlinger Wald ab. Die breiten Schotterwege sind zwar weniger nach unserem Geschmack, aber angenehm zu laufen und gegen ein bisschen Schatten haben wir heute tatsächlich auch nichts einzuwenden. Übrigens treffen wir bis Unterregenbach – außer in den Ortschaften – trotz supersonnigem Sonntag keinen einzigen Wanderer. Social Distancing und stiller Naturgenuss in Perfektion.

Impuls auf dem Pfad der Stille

Schöner Panoramaweg nach Unterregenbach

Raus aus dem Wald, folgen wir ein kurzes Stück dem ganz schön laut rauschenden Holderbach, der zwischen Eberbach und Unterregenbach in die Jagst mündet. Was es mit dem schaurigen „Holderfraale“ auf sich hat, auf das uns der Impuls im Flyer hinweist, konnte ich leider noch nicht in Erfahrung bringen. Falls uns jemand auf die Sprünge helfen möchte, gerne einen Kommentar dalassen!

Wandern am Holderbach auf dem Pfad der Stille
Der Holderbach in Hohenlohe

Zurück im Tal treffen wir auf die Landstraße, auf der wir aber nur kurz den Bach überqueren müssen, bevor wir durch Wiesen ziemlich weglos erneut bergauf wandern. Der folgende Wegabschnitt entlang der Jagsthänge gefällt uns richtig gut. Links entdecken wir alte Steinriegel, rechts fällt der Blick über blühende Wiesen und Obstbäume hinunter zur Jagst und in der Ferne ist schon Unterregenbach zu sehen.

Wandern mit Ausblick nach Unterregenbach im Jagsttal in Hohenlohe
Aussichtsreich geht’s nach Unterregenbach
Blick auf Unterregenbach
Frühling im Jagsttal ♡

Der Panoramaweg von Langenburg ist wohl deutlich stärker frequentiert als der Pfad der Stille, denn in Unterregenbach treffen wir auf einige Wanderer, die aus der entgegengesetzten Richtung kommen.

Hübsche Archenbrücke & das Rätsel von Unterregenbach

Zuerst laufen wir durch die beeindruckende Archenbrücke, die das Ortsbild von Unterregenbach prägt. Bereits in den 1820ern wurde hier eine fast 43 m lange Holzbrücke errichtet – gelagert auf zwei Pfeilern, getragen von zwei vierlagigen Holzbögen und verbunden ausschließlich mit Holzzapfen und Holzdübeln. Da die Brücke im 2. Weltkrieg durch amerikanische Lastfahrzeuge allerdings zu stark beansprucht und beschädigt wurde, musste sie 1958 nach historischem Vorbild und mit erhöhter Tragfähigkeit neu aufgebaut werden.

Die Archenbruecke ueber die Jagst in Unterregenbach
Die Archenbrücke in Unterregenbach
Die Jagst in Unterregenbach

Nach der Brücke gibt es einen herrlichen Picknickplatz direkt an der Jagst, der zu einer Pause einlädt.

Wer als Besucher durch´s Jagsttal läuft oder fährt, ahnt wohl kaum, dass sich um dieses idyllisch-unscheinbare Örtchen ein großes Geheimnis rankt. Bei Ausgrabungen wurden in Unterregenbach zwei frühmittelalterliche Kirchen und Spuren eines Herrensitzes mit Steinkirche nachgewiesen.

Archäologen legten Mitte des 20. Jahrhunderts die Mauerreste einer karolingischen Saalkirche (ca. 750 n. Chr.) aus der Zeit des Fränkischen Reichs frei – die wohl mit Abstand älteste Steinkirche Hohenlohes. Sie gehörte damals vermutlich zu einem Herrensitz in Unterregenbach. Die zweite beeindruckende Entdeckung ist die große Basilika aus dem 10./11. Jahrhundert, deren Krypta noch erhalten und unter dem Pfarrhaus frei zugänglich ist. Sie gilt als damals größte Kirche Württembergs. Im Pfarrhof sind Mauerreste sichtbar, die die mächtigen Dimensionen der Basilika erahnen lassen. Neben der großen gab es auch eine kleine Basilika, die parallel genutzt wurden.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Unterregenbach lange Zeit das Ziel von Pilgern aus ganz Europa war. Funde deuten darauf hin, dass bereits die Kelten im 6.-5. Jahrhundert v. Chr. hier siedelten und auch die Hohe Straße, der historische Fernhandelsweg der Kelten, verlief ganz in der Nähe auf der Höhe zwischen Kocher und Jagst.

Welche Bedeutung Unterregenbach genau hatte, warum und wann das religiöse Zentrum seine Bedeutung verlor ist wie so vieles noch unklar und nicht ausreichend erforscht. So bleibt uns „das Rätsel von Unterregenbach“ wahrscheinlich noch einige Zeit erhalten.

Wer Glück hat trifft Hans-Jörg Wilhelm, der im Pfarrhaus zuhause ist, im Hof an. Er kennt sich bestens aus und gibt gerne Auskunft zur Geschichte des Ortes. Aber auch wer den Hausherrn nicht kennenlernt, sollte seine Hohenloher Schaumweine oder andere Leckereien von der Streuobstwiese aus einem kleinen Selbstbedienungskiosk unbedingt probieren!

Unser Highlight: Ein Picknickkorb vom Restaurant rotermohn

Um ehrlich zu sein, kannten wir das Bio-Restaurant rotermohn bisher gar nicht und sind nur zufällig bei einer früheren Wanderung darauf aufmerksam geworden. Nach dem Stöbern auf der Website war ich echt neugierig, denn das etwas außergewöhnliche und nachhaltige Konzept hört sich wirklich toll an.

In Zeiten von Corona können in der ganzen Saison 2021 mit vielen Leckereien gefüllte Picknickkörbe reserviert werden. Zu verschiedenen Snacks in Mehrweggläsern gibt’s selbstgebackenes Brot, ein Fläschchen Wein, Säfte und Wasser sowie zwei bequeme Sitzkissen mit Lehne. Und natürlich hat der Chef auch Tipps, wo sich das Picknick am schönsten genießen lässt 🙂

Von uns eine absolute Empfehlung und wir werden definitiv wiederkommen, sobald das Restaurant nach dem Lockdown geöffnet hat.

Picknick in Unterregenbach im Jagsttal in Hohenlohe
Picknick mit Ausblick

Mit vollem Magen zurück nach Buchenbach

Wir müssen uns fast zwingen, unser schönes Plätzchen zu verlassen und den Rückweg nach Buchenbach anzutreten 😉

Nach Unterregenbach steigt der Weg durch den Wald wieder stetig an. Der folgende Wegabschnitt durch den Wald gefällt uns weniger gut, ein Highlight ist lediglich der Aussichtspunkt „Schöner Blick“ mit der Hedwigsbank und herrlichem Blick bis Langenburg.

Ausblick von der Hedwigsbank bis Langenburg
Schönblick bis nach Langenburg

Sollten wir diesen Pfad der Stille nochmal wandern (und das werden wir bestimmt), werden wir eher unterhalb des Waldes laufen (nach Unterregenbach nicht links am Friedhof vorbei, sondern den Weg aus der Ortschaft heraus einfach geradeaus weiter folgen) und so ein Stück abkürzen.

Auf den jetzt folgenden letzten Kilometern wechseln sich geschotterte Waldwege mit aussichtsreicheren Abschnitten ab. Ganz schön, aber uns hat die erste Hälfte der Wanderung besser gefallen. Vielleicht liegt es auch nur an unserer Schläfrigkeit, die sich nach dem Picknick eingestellt hat…

Pfad der Stille Jagsttal

Auch hier ermutigt uns der Flyer, in die Stille zu kommen, zu atmen, zu spüren, zu hören und zu riechen. Schwer fällt uns das an diesem wunderbaren Frühlingstag nicht. Der Wald wirkt märchenhaft, überall sprießt und blüht und flattert es.

In Buchenbach begrüßen die Kühe unsere Rückkehr, bevor wir nach knapp 15 km ziemlich erschöpft zurück am Auto sind.

Pfad der Stille zwischen Buchenbach & Unterregenbach – unser Fazit

Uns hat der Pfad der Stille Mulfingen von Buchenbach nach Unterregenbach und zurück richtig gut gefallen. Er bietet einige Highlights, wobei unser persönliches Highlight heute die Kombination aus bestem Frühlingswetter, der erwachenden Natur und dem leckeren Picknick war 🙂

Mit 14,5 Kilometern ist die Wanderung nicht gerade kurz und durch die Abwechslung von Tal und Höhenwegen kommen auch ein paar Höhenmeter zusammen. Ansonsten sind die Wege aber sehr gut und einfach zu gehen. Wiesenwege wechseln sich mit Forstwegen und asphaltierten Abschnitten ab.

Du suchst nach weiteren Wanderungen im Jagsttal und in ganz Hohenlohe?

Hast du weitere Tipps für uns? Verrate sie uns gerne in den Kommentaren! Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Wandern im schönen Hohenlohe 🙂